Mehr Arbeitsplätze, die Menschen mögen
Was das mit unternehmerischem Erfolg zu tun hat
Die Kernaufgabe eines Arbeitgebers ist Arbeit zu geben
Im Gespräch berichtet Markus Hanauer, Gründer und Unternehmer, warum er ein offenes Culture Camp für Führungskräfte und Interessierte initiiert hat, weshalb gute Arbeitskultur kein „Nice-to-have“ ist und welche Verantwortung Unternehmerinnen und Unternehmer tatsächlich tragen.
Wir sprechen über konkrete Führungspraxis statt Buzzwords, über wirtschaftliche Realität statt Wohlfühlrhetorik. Und über die Überzeugung, dass das Schaffen besserer Arbeitsplätze im Kleinen beginnen und dennoch große Wirkung entfalten kann.
Du führst eine Agentur und hast zu einem 2-Tagesworkshop im Barcamp Stil eingeladen. Allerdings nicht Mitarbeitende von Spirit Link, sondern vor allem am Thema und Setting interessierte Menschen von überall her. Thema: „Was können wir tun, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, die Menschen mögen?“ Markus, warum tust du das?
Der Antrieb hinter der Initiative ist sowohl persönlich als auch unternehmerisch geprägt. Als Unternehmer ist es mir ein zentrales Anliegen, Arbeitsumfelder zu schaffen, in denen Menschen gerne arbeiten. Und das nicht nur, weil es sich richtig anfühlt, sondern weil zufriedene und engagierte Mitarbeitende nachweislich bessere Ergebnisse für unsere Kund:innen liefern und unsere Organisation insgesamt widerstandsfähiger machen.
Über die Jahre habe ich immer wieder Menschen getroffen, die ähnliche Überzeugungen teilen. Daraus entstand der Wunsch, diese stärker miteinander zu vernetzen und einen offenen, praxisnahen Austausch zu ermöglichen, von dem alle lernen können. Da entsprechende Plattformen dafür fehlten, habe ich schließlich selbst die Initiative ergriffen.
Und ein etwas abstrakterer Grund dahinter ist die Überzeugung, dass es auch unserer Gesellschaft zugute kommt, wenn es mehr Arbeitsplätze gibt, die Menschen mögen.
Meine Erfahrung mit ähnlich gelagerten Netzwerktreffen war auch, dass man sich wie in eine Bubble begibt, dort auf Gleichgesinnte trifft und die Rückkehr an den eigenen Arbeitsplatz sich fast schon wie eine harte Landung anfühlt.
Da probieren wir gerade viel aus. Denn auch wir fragen uns, wie der Spirit des Culture Camps am Leben gehalten werden kann. Dafür experimentieren wir gerade mit Zirkeln, die sich auf Initiative einzelner regelmäßig treffen und ihre alltäglichen Herausforderungen besprechen.
Ich kenne ebenfalls Veranstaltungen, wie du sie meinst. Da bleibt es eben bei dem 2-Tages-Workshopo, der gehypte New Work Themen adressiert und dir einen Wortschatz vermittelt, damit du gefühlt nun mitreden kannst.
Das Culture Camp hingegen ist für mich dann erfolgreich, wenn ein/e Teilnehmer:in mehrere Lösungsimpulse für eine aktuelle, persönliche Problemstellung mit rausnimmt. Da entsteht ein Wert für die Person, denn sie nimmt etwas konkretes mit, das er/sie in die Umsetzung bringen kann. Das ist etwas völlig anderes als aufgeladen aus einer Veranstaltung zu gehen, wo ich tollen Impulsen gelauscht habe, aber mit mir und meinen Themen nicht viel passiert ist.
Nun bist du ja der Host des Culture Camps. Die zwei Tage finden in euren Räumlichkeiten statt, einige Mitarbeitende beteiligen sich an Orga und Moderation, wir waren fantastisch versorgt mit Essen und Trinken und wenn ich an die Teilnehmergebühr denke, dann ist das ja maximal kostendeckend gewesen. Trägt das in irgendeiner Form dem Geschäftserfolg von Spirit Link bei?
Um ehrlich zu sein: nein. Und das muss es auch nicht. Das darf etwas Separates sein.
Was treibt dich dann dazu an?
Ich glaube es ist schon 15 Jahr her. Aber tatsächlich habe ich mir da selbst mal das Ziel gesteckt, dass ich es schön fände in meinem Leben 1.000 Arbeitsplätze zu verglücklichen.
Sicherlich eine große Vorstellung und vielleicht war auch deswegen klar, dass ich nicht zwangsläufig der Unternehmer dafür sein muss. Aber ich kann mithelfen, dass sich das verbreitet.
Und damit muss es nicht direkt mit den Mitarbeitenden von Spirit Link zu tun haben, auch wenn es natürliche eine Art Lernkurve gibt für die Ausrichtung solcher Events oder auch die diskutierten Lösungsansätze täglicher Führungsthemen anderer. Und damit fließt dann doch etwas aus dem Culture Camp zurück zu Spirit Link.
1.000 glücklichere Arbeitsplätze also. Und wo steht der Zähler aktuell?
Das Zählen ist echt schwer, Steffi. Ehrlich gesagt war ich damals wahrscheinlich auch quantitativer getrieben als heute.
Heißt?
Wenn ich aus solchen Zusammenkünften, wie dem Culture Camp, gehe oder die Diskussionen in den Zirkeln mitbekommen, dann denke ich mir häufig „Das ist schon auf einem guten Weg.“
Nun bist du seit vielen Jahren Unternehmer. Was ist für dich die Kernaufgabe eines Unternehmers?
Das haben die Culture Camps die letzten Jahre schon auch für mich gezeigt.
Von Firmen zu hören zum Beispiel, die so richtig in der Krise stecken und die Jahre zuvor alles gemacht haben, dass es den Mitarbeitenden so gut wie möglich geht. Sie auch teilweise in einer Scheinwelt haben leben lassen. Und das konnten sie auch tun, weil der Markt sie quasi verwöhnt hat. Und nun wird der Wind rauher. Und plötzlich sind Menschen vollkommen schockiert, dass „Arbeit nicht vom Himmel fällt“.
Dann gilt es nämlich sich rückzubesinnen, was das Kern-Anliegen der Unternehmung ist, denn die Kernaufgabe eines Arbeitgebers ist Arbeit zu geben. Bei uns kommt die Arbeit vom Kunden. Und den müssen wir für uns gewinnen, damit wir Gehälter zahlen können und die Menschen sich und ihre Angehörigen versorgen können. Diesen Kernwertstrom muss ich im Blick haben. Und natürlich die Arbeitsumgebung so ansprechend gestalten wie es geht, wertschätzend miteinander umgehen und Neues ausprobieren. Den Kern aber darf ich als Unternehmer nicht vergessen.
Und das wiederum ist das Coole am Culture Camp. Hier kommen nämlich Unternehmer:innen zusammen, die Verantwortung für Arbeitsplätze haben.
Wenn ich nun für das Arbeitgeben zuständig bin, muss ich ja ständig justieren, damit ich Kunden gewinnen. Ich kann mich also nicht auf Erreichtem ausruhen. Glaubst du, das würde schlechter gelingen, wenn ihr nicht vernünftig und menschennah mit euren Mitarbeitenden umgehen würdet?
Auf jeden Fall!
Nun sind wir im Dienstleistungsgeschäft, das per se menschennah ist. Unser größter Kostenblock sind also Personalkosten und die Kernwertschöpfung besteht darin, dass unsere Expert:innen in Teams mit Kundenteams arbeiten. Entsprechend entscheidend ist die Qualität der internen Zusammenarbeit: Wie gehen wir miteinander um? Fühlen sich Mitarbeitende respektiert und unterstützt? Haben sie die richtigen Rahmenbedingungen, um kreativ und wirksam zu arbeiten?
Wäre unsere Kultur geprägt von übermäßiger Bürokratie, fehlender Wertschätzung oder Kontrolle, so bin ich sicher würde das auch die Kundenergebnisse deutlich beeinträchtigen.
Hast du dazu auch schon Kundenfeedback bekommen? Im Sinne von „Bei euch geht es irgendwie anders zu?“
Ganz oft sogar.
Wir machen mit den Kunden am Ende des Projektes immer ein Review. Das macht pro Jahr ca. 70-80 solcher Gespräche. In ungefähr einem Viertel der Gespräche erwähnt der Kunde von sich aus, dass es Freude macht mit uns zu arbeiten.
Ist das in eurer Branche ein Alleinstellungsmerkmal?
Absolut.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass wir eine deutliche niedrigere Fluktuation in unserer Organisation haben als der Wettbewerb. Menschen bleiben im Schnitt 8 Jahre bei uns. Das ist ein riesiger Kundenzufriedenheitstreiber, da die Projekte häufig komplexe, industriespezifische Langläufer sind.
Für unsere Kunden ist es nicht nur frustrierend, sondern auch teuer, wenn sie aus einem vierköpfigen Team ständig jemanden auswechseln müssen.
Teamstabilität ist also tatsächlich ein USP. Und Geschäftskontinuität wird dadurch auch wahrscheinlicher, weil die Kunden, die lang mit uns arbeiten, Branchenwissen, Fachwissen und das Wissen über interne Guidelines bei uns aufbauen. Da schwindet die Bereitschaft bei einer neuen Agentur wieder bei Null anfangen zu müssen.
Was glaubst du wäre nicht möglich, wenn ihr anders arbeiten würdet? Nehmen wir also mal an, da käme eine neue Geschäftsleitung, die vor allem die Geschäftszahlen optimieren wollen würde.
Unser gemeinsamer Sinn bei Spirit Link ist Erfolg zu verglücklichen. Das inkludiert also beides: Erfolg im Geschäft aber auch die Zufriedenheit bei den Menschen.
Ich glaube dieses Versprechen würde dann nicht mehr eingelöst werden. Und damit würden doch viele Menschen bei uns sagen, dass sie nun auch nicht mehr hier bleiben werden, denn denen mangelt es nicht an Angeboten des Wettbewerbs. Ganz im Gegenteil, wir sind doch gar nicht in der Größe, dass wir klassische Pharma-Gehälter zahlen könnten. Das heißt also wir würden ganz schnell unsere Top Leute verlieren.
Eine letzte Frage an dich, Markus. Wenn das unser unternehmerischer Kern der Sache ist. Arbeitsplätze schaffen und Menschen nicht wie Dinge zu behandeln. Was stimmt dich globalgalaktisch zuversichtlich?
Mich macht vor allem meine eigene Überzeugung zuversichtlich. Und die Begegnungen mit Menschen wie dir und anderen, die ähnlich denken. Ich habe dabei gar nicht den Anspruch, Antworten für das große Ganze zu liefern oder jemanden grundsätzlich zu überzeugen. Das kann und muss ich auch nicht.
Wichtig ist für mich vielmehr, dass wir im eigenen Umfeld, auch im Kleinen Dinge gut gestalten. Wenn das gelingt, hat das bereits Wert.
